Oliver Krautscheid: Rezessionsangst als selbsterfüllende Prophezeiung?

Wie geht es in der Krise weiter? Erfüllen sich düstere Prognosen in Hinblick auf das kommende Jahr? Finanzexperte Oliver Krautscheid bleibt optimistisch.

 

Angst macht bekanntlich Politik — und Wirtschaft. Und selten war sie größer als gerade in Zeiten der Corona-Krise. Die Macht der Effekte erleben wir heutzutage durch die sozialen Medien noch stärker als vor 10, 25 oder 50 Jahren. Doch so schädlich Angst für wirtschaftliche Entwicklungen ist, so gelassen sind die Deutschen. Der Angstindex ist so niedrig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr: Migrationskrise, Klimakrise und schweren Unwettern, Wahldebakeln der Volksparteien und Schwarzmalerei in der wirtschaftlichen Entwicklung stehen die Deutschen – für ihre Verhältnisse – gelassen bis optimistisch gegenüber.

Andererseits identifizierte die R+V Versicherung, die bereits zum 28. Mal den Angstindex erhoben hat, auch Ängste, die laut repräsentativer Umfrage jeden zweiten Deutschen beschäftigen.

Sorgen vor politischen und sozialen Spannungen als Ergebnis eines von Migrationsbewegungen überforderten Staates und eine Welt, die durch US-Präsident Donald Trump gefährlicher wurde, belegen die ersten drei Plätze. Nicht jedoch die Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung oder vor (persönlicher) Arbeitslosigkeit.

Rezessionsangst als selbsterfüllende Prophezeiung?

Woher also die Angst vor einer kommenden Rezession? Die Antwort ist vielleicht überraschend einfacher als gedacht. Seit im 2. Quartal 2019 das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts mit minus 0,1 % negativ ausfiel – der Haushaltskonsum und die Staatausgaben stiegen jedoch – machen Negativprognosen und -schlagzeilen die Runde. Die Rezessionsangst könnte eine selbst erfüllende Prophezeiung werden.

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