Oliver Krautscheid: Hedgefonds florieren trotz negativer Prognose nach Lehman-Pleite

Nach dem Kollaps der Investment Bank Lehman Brothers im September 2008 wurden Hedgefonds als unreguliertes Schattenbank-System respektive als Problem gesehen. Manche Experten prognostizierten, dass innerhalb von fünf Jahren rund die Hälfte aller Hedgefonds von der Bildfläche verschwinden werden. Ein gegenläufiger Trend ist eingetreten. Trotz großer Verunsicherung und der anhaltenden Vertrauenskrise, welche zeitweise dazu geführt hat, dass Investoren nur noch erstklassige Staatsanleihen und Gold halten wollten, hat sich die Hedgefonds-Branche gut weiter entwickelt. Knapp 7.500 Hedgefonds verwalteten zum Jahresende 2012 über USD 2,2 Billionen Gelder.

Oliver Krautscheid: Rekord bei staatlichen Kontenabfragen

Die BZ vom 15. Januar 2013 berichtet, dass die Strafverfolgungs- und Steuerfahndungsbehörden im Jahr 2012 so viele private Konten durchleuchtet haben]wie noch nie. Besonders das Bundeszentralamt für Steuern schaut den Bürgern genauer auf die Finger. Die erledigten Auskunftsersuche etwa von Finanzämtern, aber auch Behörden, die für Bafög oder Wohngeld zuständig sind, kletterten um mehr als 13%.

Der Staat hat im Jahr 2012 mehr als 185.000 Mal private Konten durchleuchtet. Insbesondere die Abrufe durch das Bundeszentralamt für Steuern nach §93 Abgabenordnung (AO) haben deutlich angezogen, und zwar um 13% auf mehr als 70.000. In diese Kategorie der Kontenabfragen fallen Auskünfte an Finanzbehörden und an Behörden, die für die Genehmigung von Bafög, Sozialhilfe oder Wohngeld zuständig sind. Diese haben die Möglichkeit, einen Kontenabruf zu veranlassen. Im Jahr 2007 lag die Zahl der Abrufe der Behörden noch bei deutlich unter 30.000.

Für Strafverfolgungs- und Steuerfahndungsbehörden gibt es nach §24c Kreditwesengesetz (KWG) die Möglichkeit, auf die Kontostammdaten der Bürger zuzugreifen. Hier zeigt sich im Jahresvergleich jedoch eine leichte Verringerung der Zahl der Abrufe, und zwar um 1,5% auf gut 114000.

Die Kreditwirtschaft wettert seit Jahren gegen die stetig steigende Zahl der Durchleuchtungen, auch weil sie die Kosten des Verfahrens tragen muss. „Das ursprünglich zur Terrorismus- und Geldwäschebekämpfung konzipierte Verfahren wird mittlerweile in den meisten Fällen zur allgemeinen Verbrechensbekämpfung, der Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Sozialbetrug genutzt“, so die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), das gemeinsame Sprachrohr der Bankenverbände, am 14. Januar 2013.

Marcus Johst: Rufmord im Internet

Rufmord im Internet: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Medienberater Marcus Johst wegen Erpressung und anderem

Zug, 24. Januar 2013 – Corporate News: Rechtssache

Aufgrund der unrechtmässig von einer anonymen Person publizierten Strafanzeige gegen alle Verwaltungsräte der The Fantastic Company AG („TFC“), sieht sich die Gesellschaft verpflichtet, die folgende Mitteilung zu verbreiten:

Die publizierte Strafanzeige wurde von Herrn Marcus Johst bei der Staatsanwaltschaft in Zürich am 21. Februar 2012 eingereicht. Die Züricher Staatsanwaltschaft hat die Strafanzeige am 2. Mai 2012 als unbegründet und ohne jeden Anfangsverdacht zurückgewiesen. Das Obergericht Zürich bestätigte diesen Entscheid und verurteilte Herrn Marcus Johst am 13. November 2012 zur Übernahme der Gerichtskosten von CHF 800 und zu einer Entschädigungszahlung von über CHF 11.000 an die von ihm beschuldigten Personen.

Die TFC sowie ihre Verwaltungsräte haben ihrerseits eine Strafanzeige gegen Herrn Marcus Johst bei der Staatsanwaltschaft in Zürich eingereicht (Aktenzeichen DAST3/2012/5159). Die Züricher Behörde hat den Fall an die Staatsanwaltschaft Berlin abgetreten, welche nun die Strafverfolgung gegen Herrn Marcus Johst wegen Erpressung, falscher Anschuldigungen etc. übernommen hat (Aktenzeichen 282 Js 2796/12).

The Fantastic Company AG, Zug, Schweiz

Der Verwaltungsrat
www.fantastic.com

Oliver Krautscheid: Euro-Staaten führen Enteignungsklausel für Anleihen ein!

Mit der Einführung von Collective-Action-Clause bei Staatsanleihen des Euro-Raumes wird nun endgültig dokumentiert, dass diese Bonds nicht mehr mündelsicher sind. Was soll der Anleger davon halten, wenn die vermeintlich sicheren Schuldner im Vorhinein Regelungen einführen, die es ermöglichen gegen den ausdrücklichen Willen des Gläubigers/Eigentümers eine Teilenteignung respektive Veschlechterung der Vertragskonditionen durchzuführen?

Ken Roggoff und Carmen Reinhart, Autoren des Buches: „This Time is Different“ haben acht Jahrhunderte Staatsfinanzierungen und –pleiten sorgfältig analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass Staatsanleihen alles andere als risikolos sind. Die überwiegende Zahl der Staaten hat im Laufe der Zeit den Staatsbankrott erklärt. Folglich müssten Corporate Finance Bücher und die Rechtsprechung zur Unternehmensbewertung angepasst werden, welche als Bewertungsmethode, den aktuellen Zinssatz für Staatsanleihen mit dem risikolosen Zinssatzes gleichsetzen.

Kritisch muss zudem Solvency II gesehen werden, welche das Risiko in den Kapitalanlagen der Versicherungen reguliert. Durch eine gesteuert „günstige“ Eigenkapitalunterlegung für Staatsanleihen versus Aktien werden große institutionelle Investoren gedrängt, hunderte von Milliarden Euro in Staatsanleihen zu stecken. Diese staatliche Lenkung sichert die Finanzierung immer neuer Staatsschulden, kann zukünftig aber wie eine weitere Steuer für viele Millionen Sparer wirken.

 

Euro-Staaten führen Enteignungsklausel bei Bonds ein

Eine neue Regelung ermöglicht es den Euro-Ländern künftig, Schuldenschnitte schneller und einfacher durchzuführen. Davon könnten auch Millionen deutsche Sparer betroffen sein. Von Frank Stocker

„Collective Action Clause“ (CAC), zu deutsch „Kollektive Handlungklausel“ sollen ab diesem Jahr in allen neuen Staatsanleihen der Euro-Zone enthalten sein.

Es kann praktisch jeden treffen

Doch in jeder Lebensversicherung, in jedem privaten Rentensparvertrag stecken solche Papiere. Und mit CAC können die Staaten künftig die Rückzahlung von Schulden verweigern, selbst wenn der einzelne Sparer dem nicht zustimmt. Damit kann es praktisch jeden treffen.

Das Vorbild für diese Neuerung gab ausgerechnet Griechenland (Link: http://www.welt.de/13928914). Denn der Schuldenschnitt im vergangenen Frühjahr gelang nur dank CAC. Diese Klausel besagt, dass die Vertragsbedingungen einer Anleihe bei Zustimmung von 75 Prozent der Gläubiger neu bestimmt werden können.

Staaten üben Druck auf die Gläubiger aus

Konkret wurde im Falle Griechenlands den Gläubigern ein Vorschlag vorgelegt, wonach sie auf 53,5 Prozent des ursprünglich investierten Geldes verzichteten. Der Rest wurde aufgeteilt auf mehr als 20 neue Anleihen mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren, die letzte läuft erst 2042 aus. Die Staaten übten damals heftigen Druck auf die größten Gläubiger aus, auf Banken, Versicherungen und staatliche Versorgungswerke, so dass diese letztlich zustimmten. Damit kam die erforderliche Mehrheit für diese „freiwillige“ Umschuldung zustande. All jene indes, die nicht zugestimmt hatten, mussten anschließend zusehen, wie ihre Anleihen zwangsweise umgetauscht wurden. Manche versuchen zwar bis heute, sich gerichtlich dagegen zu wehren, doch die Aussichten auf Erfolg sind recht gering. Sie wurden teilenteignet.

Teil-Enteignung wird gerichtsfest gemacht

Nun erhalten alle Euro-Staatsanleihen eine solche CAC-Klausel, mit deren Hilfe ein derartiges Vorgehen nicht nur möglich, sondern auch noch gerichtsfest gemacht wird. Beschlossen wurde die Einführung dieser Klauseln im Zuge der Verhandlungen über die Einführung des permanenten Rettungsschirms (Link: http://www.welt.de/106237358), des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM (Link: http://www.welt.de/themen/esm/). Investoren versuchen beispielsweise seit über zehn Jahren auf dem Gerichtsweg von Argentinien Entschädigungen für ihr Vermögen zu erhalten, das sie bei der Staatspleite von 2001 verloren hatten.

Quelle: Die „WELT“ vom 8. Januar 2013. http://www.welt.de/finanzen/article112468144/

Oliver Krautscheid: Globaler IPO-Markt lahmt

Trotz hervorragender Entwicklung der Börsenindizes insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2012 besteht bei vielen institutionellen Anlegern immer noch Zurückhaltung im Hinblick auf Börsengänge. Zu Recht, denn die Preise der Börsenaspiranten sind üblicherweise hoch und die Risiken nicht vernachlässigbar wie die großen Negativbeispiele Glencore und Facebook gezeigt haben. 

Die nachfolgende Analyse des globalen Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young zeigt deutlich, dass kurz vor der Finanzkrise im Jahr 2007 die Anzahl mehr als doppelt und das Volumen der Börsen-Neuemissionen mehr als dreifach so hoch war wie im laufenden Jahr.

Oliver Krautscheid: EU-Bankschulden sind größer als Staatsschulden

Nachfolgend verweisen wir auf den sehr interessanten Online-Artikel von Prof. Bagus.

http://www.derhauptstadtbrief.de/cms/index.php/86-der-hauptstadtbrief-112/250-die-staatsschulden-sind-nichts-gegen-die-bankschulden

Die Staatsschulden sind nichts gegen die Bankschulden  [Auszug]

Von Philipp Bagus 29.11.2012

Vergessen Sie die Angst vor der Gefahr des Staatsbankrotts. Durch die Bankenunion droht etwas Größeres: der deutsche Volksbankrott

… In der Finanzkrise retteten zahlreiche Staaten der Eurozone nationale Banken mit Steuergeldern. Heute sind aber einige Staaten nicht mehr in der Lage, die Bankenrettung aus eigener Kraft zu stemmen. Die Kosten der Bankenrettung würden die Staaten selbst in die Zahlungsunfähigkeit und deshalb unter den ungeliebten – da mit Auflagen ausgestatteten – Rettungsschirm treiben.

Was liegt da näher, als diese Kosten auf Steuerzahler im Ausland abzuwälzen. Hier kommt die Bankenunion ins Spiel. Diese ermöglicht es, dass eine Rettung insolventer Banken nicht durch den betroffenen Staat selbst erfolgt, sondern aus dem dazu ermächtigten Europäischen Stabilitätsmechanismus, ESM, kommt. Die öffentliche Schuldenlast erhöht sich damit nicht. Fehlinvestitionen können weiter laufen und die Banken weiter brav die Staatsanleihen ihrer Länder aufsaugen.

Dieser Schachzug zielt in erster Linie darauf ab, deutsche Steuergelder und Sparvermögen für die bereits angefallenen und noch zu erwartenden Verluste in Südeuropa verfügbar zu machen. Das einzige, was der deutschen Seite gegen dieses Ansinnen einfiel, war, als Bedingung für die Bankenunion eine gemeinsame Bankaufsicht zu fordern, um die Banken an die Leine zu nehmen. Durch dieses taktische Manöver konnte die Einführung der Bankenunion verzögert werden.

Es geht bei der Bankenunion in erster Linie aber nicht um die Banküberwachung, die die EZB übernehmen soll, wodurch Deutschland wohl wieder das gleiche Gewicht wie Malta bekommt und strukturell gegen Südeuropa in der Minderheit ist. Es geht bei der Bankenunion vielmehr darum, dass Deutschland für die Südbanken haftet. Dieser Vorgang musste natürlich verschleiert werden. Und so wurde die Nebelkerze der gemeinsamen Bankenaufsicht gezündet.

Dass die Bankenaufsicht nur ein Vorwand ist, liegt auf der Hand. Wollte man die Banken zu verantwortlicherem Handeln ermutigen, dann würde man eben nicht die Verbindung zwischen Handlung und Haftung kappen. Man würde insolvente Banken nicht retten, und schon gar nicht ihnen einen ständigen Rettungsschirm öffnen. Gerade die Existenz dieses Schirms verleitet zu unverantwortlichem Handeln und garantiert letztlich auch seine Inanspruchnahme. Vielmehr würde man die Marktteilnehmer, die ihr Geld in die Banken investierten – sprich Aktionäre und Gläubiger – die Verluste selbst tragen lassen.

Die Bankenunion begnügt sich jedoch nicht mit den Steuergeldern aus dem Norden – und damit mehrheitlich aus Deutschland –, die durch die Ermächtigung des ESM an den Parlamenten vorbei den Südbanken zur Verfügung gestellt werden sollen. Zusätzlich soll die Bankenunion noch eine gemeinsame Einlagensicherung bringen und damit deutsches Sparkapital zur Sicherung von ausländischen Banken nutzbar machen. Der Vorwand für die gemeinsame Einlagensicherung ist das Ziel, die Kapitalflucht aus dem Süden in den Norden zu stoppen. Die Kapitalflucht wird jedoch erst enden, wenn die Haftungsunion komplett ist [= illegaler EU-Bundesstaat] und ein deutscher Euroaustritt ausgeschlossen werden kann.

Durch die Bankenunion käme der Norden nicht nur wie jetzt schon für insolvente Regierungen auf, sondern auch für deren insolvente Banken. Das ist allein daher pikant, weil die Staatsschulden weit geringer sind als die Bankschulden. In Spanien werden die Staatsschulden am Jahresende bei 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, BIP, liegen. Die Bankschulden stehen jedoch jetzt schon bei 305 Prozent des BIP. Verschaffen wir uns einen kurzen Blick über die gewaltigen Bankschulden, die das deutsche Sparvermögen bedrohen.

Es handelt sich um zusammen gut 9 Billionen Euro an Bankschulden aus den peripheren Ländern wie Spanien, die Überbleibsel aus Immobilien- und Staatsblasen beinhalten und in die Bankenunion eingebracht werden. Zu den Ländern mit prekärem Bankensektor sollten wir noch das überschuldete Belgien sowie Frankreich hinzuzählen. Frankreich ähnelt mit seiner fehlenden Wettbewerbsfähigkeit, seinem inflexiblen Arbeitsmarkt und einer reformunwilligen Regierung, die die Staatsblase nicht aufstechen will, sehr Spanien. Mit Belgien und Frankreich sind wir bei gut 18 Billionen Euro:

3,3 Billionen Euro spanische Banken,
0,4 Billionen Euro griechische Banken,
0,5 Billionen Euro portugiesische Banken,
1,2 Billionen Euro irische Banken,
3,7 Billionen Euro italienische Banken,
1,1 Billionen Euro belgische Banken und
7,9 Billionen Euro französische Banken.
Summe: 18,1 Billionen Euro Bankschulden.

Dagegen nehmen sich das deutsche Rekord-Steueraufkommen von 2012 in Höhe von 0,6 Billionen Euro und auch das deutsche Bruttoinlandsprodukt mit 2,6 Billionen Euro mickrig aus. Schwindelerregend ist selbst der Vergleich mit dem Nettovermögen der Deutschen, das mit 8,7 Billionen Euro weit geringer als die genannten Bankschulden ausfällt. Würden die Banken der erwähnten Länder Verluste in Höhe von 25 Prozent ihrer Schulden publik machen und diese von Deutschland alleine getragen, verschlänge dies die Hälfte des deutschen Volksvermögens. Durch die Bankenunion droht der deutsche Volksbankrott.

Trotz des Ablenkungs- und Bremsmanövers der gemeinsamen Bankenaufsicht ist es das Ziel der Bankenunion, deutsche Steuergelder und Sparvermögen den Südbanken verfügbar zu machen. Und zwar nicht nur zur Begleichung von Verlusten, die aus den Blasen der Vergangenheit stammen, sondern auch, um das angenehme Schuldenmachen, das Verzögern von Reformen, die Fehlinvestitionen in Prestigeprojekte und Sozialstaatswohltaten in Zukunft fortsetzen zu können. Der einzige Wermutstropfen: Angesichts der absehbaren Verluste ist selbst das deutsche Volksvermögen sehr begrenzt.

Prof. Dr. Philipp Bagus lehrt Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Der Geld- und Konjunkturtheoretiker ist Koautor einer Studie zum isländischen Finanzkollaps (Deep Freeze. Iceland’s Economic Collapse). Sein jüngstes Buch Die Tragödie des Euro. Ein System zerstört sich selbst erschien im FinanzBuch Verlag.

Oliver Krautscheid: Wer wird die kommende Schwemme von Staatsanleihen kaufen?

Der Chefökonom von Schroders, Keith Wade, erläutert im Investorenbrief vom September 2012 seine Sichtweise zu den Märkten.

Eine der wenigen Gewissheiten im Investmentbereich ist derzeit, dass es in den kommenden Jahren keinen Mangel an Staatsanleihen geben wird. Die Staatsschulden steigen kontinuierlich. Laut den neuesten Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden sie bis Ende dieses Jahres 110 % des BIP erreichen und sich dann 2013 weiter erhöhen. Man muss bis in die Zeit kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zurückgehen, um ein ähnliches Verschuldungsniveau der Industrieländer zu finden. Man könnte argumentieren, dass die Probleme heute noch größer sind als vor 67 Jahren, denn heute profitiert die Weltwirtschaft nicht von einer Friedensdividende durch Demobilisierung und Wiederaufbau.

Diese Aussichten haben Befürchtungen geweckt, dass die Renditen von Staatsanleihen in den kommenden Jahren stark anziehen werden, wenn die Anleger versuchen, das erhöhte Emissionsvolumen aufzufangen. Verstärkt werden diese Befürchtungen noch durch die Anzeichen dafür, dass China seine Käufe von US-Staatsanleihen zurückgefahren hat. Außerdem drohen zukünftig Probleme, wenn die quantitativen Lockerungsmaßnahmen (QE) auslaufen und die US-Notenbank Fed und andere Banken ihre Bilanzen nicht weiter vergrößern.

Schlussfolgerungen:

(1) Der bevorstehende Umfang der Neuemissionen aus Industrienationen, insbesondere aus den USA, ist immens. Wir schätzen, dass bis 2017 neue US-Staatsanleihen mit einem Volumen von mehr als 5 Bio. US-Dollar emittiert werden könnten, ohne die mögliche Auflösung des QE-Programms der US-Notenbank.

(2) In der letzten Zeit haben vor allem die US-Notenbank und der externe Sektor (insbesondere asiatische Zentralbanken) US-Treasuries gekauft. Sie dürften kaum in gleichem Umfang wie bisher in neu emittierte Papiere investieren, so dass ein erhebliches Defizit entstehen wird.

(3) Nach unseren Schätzungen werden Banken, institutionelle Anleger und andere private Investoren in den nächsten fünf Jahren zusätzliche 1,4 Bio. US-Dollar in US-Treasuries pumpen müssen. Dies entspricht einem Anstieg um mehr als 50 % gegenüber dem Vergleichszeitraum.

(4) Schuldenabbau, die demografische Entwicklung und ein Mangel an sicheren Vermögenswerten treiben die Finanzinstitute bereits jetzt in diese Richtung. Das Ausmaß der Investitionen dürfte die Anleger allerdings abschrecken, so dass die Anleiherenditen mittelfristig steigen werden.

(5) Dies muss nicht notwendigerweise negativ sein: Steigende Renditen und die Rückkehr der Wächter des Anleihenmarktes könnten dem politischen Stillstand ein Ende setzen und die Aufmerksamkeit der Politiker wieder auf die Senkung des Haushaltsdefizits lenken.

(6) Allerdings könnten sich die staatlichen Stellen aufgrund der Kombination aus Konjunkturschwäche und politischen Spaltungen in Washington für die Lösung ihrer Finanzierungsprobleme an den Gesetzgeber wenden. Die Banken sehen sich bereits jetzt mit zunehmender Regulierung konfrontiert, aber selbst mit diesen Maßnahmen hat der Staat noch beträchtliche Möglichkeiten, Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen unter Druck zu setzen, ihre Bestände an US-Staatsanleihen aufzustocken.

(7) Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ergebnisses steigt noch durch die zunehmend ablehnende Haltung der Politik gegenüber weiteren quantitativen Lockerungsmaßnahmen seitens der US-Notenbank.

(8) Der Reiz finanzieller Repression besteht für die Politik darin, dass sie scheinbar keine Opfer hat. Allerdings werden die Kosten von denjenigen getragen werden müssen, die versuchen, heute Geld für ihren Ruhestand anzusparen, denn sie werden in der Zukunft von niedrigeren Renditen und einem niedrigeren Lebensstandard betroffen sein

Oliver Krautscheid: Trendwende zum Euro-Austritt in den Qualitätsmedien?

Deutschland muss über Euro-Austritt nachdenken http://www.tagesschau.de/wirtschaft/euroschau140.html

… Vorwürfe an Deutschland sind absurd: Gleichzeitig steht die Bundesrepublik immer stärker in der Kritik, sie würde nicht genug für die Euro-Rettung tun und alle Bemühungen verschleppen oder verhindern. In vielen europäischen Hauptstädten werden die Vorwürfe an Berlin immer lauter. Das ist absurd.

Deutschland hat Milliarden über Milliarden in Rettungspakete und Garantien gesteckt, um den Krisenstaaten beizustehen. Man hat eine Position nach der anderen aufgegeben, zugeschaut, wie sich die Verhältnisse in der EZB zu Ungunsten Deutschlands verschieben. Man ist isoliert oder hat kein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen mehr – sei es in der EZB, im IWF oder in der Europäischen Kommission. Trotzdem darf der deutsche Steuerzahler weiter sein Portemonnaie öffnen und muss sich von Politikern der Krisenländer auch noch Vorhaltungen machen lassen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Die Bevölkerung wird das nicht mittragen.

Ist der Euro den hohen Preis seiner Rettung wert? Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, ob Deutschland aus der Eurozone austreten soll. Ohne Frage hat die deutsche Wirtschaft große Vorteile durch den Euro. Auch ist das Projekt von immenser Bedeutung für die europäische Idee und alle ihre Vorteile: Frieden in Freiheit. Aber ist der Euro den massiven Preis wert, den die Bevölkerung für die Euro-Rettung zahlen muss? Eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Aber nachdenken sollte man über die Alternative schon einmal. Zumal die Überlebenschancen der Eurozone ohnehin gering sind. Denn welche Währungsunion kann langfristig existieren, wenn sie nur am Tropf einer heiß laufenden Notenpresse hängt?

Klaus-Rainer Jackisch schreibt bei tagesschau.de regelmäßig seine Kolumne Euroschau, in der er einen Blick auf die monatliche EZB-Ratssitzung wirft.

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