Opel-Chef: CO2-Vorgaben einhalten ist wichtiger als alles andere – auch als der Absatz

Kein anderer deutscher Fahrzeughersteller erlitt infolge der Coronakrise einen so drastischen Absatzeinbruch wie Opel.

Die Verkäufe haben sich im Kernmarkt Europa seit Jahresanfang mehr als halbiert. Mit insgesamt neun Elektroautos im Portfolio will der Autobauer im kommenden Jahr aber die Wende beim Absatz einleiten, sagte Opel-Chef Michael Lohscheller dem Handelsblatt: „2019 – vor der Coronakrise – hatten wir ein Absatzvolumen von gut einer Million Fahrzeugen. Auf dieses Niveau wollen wir wieder zurückkommen.“

Bei der Verkaufsoffensive gehe jedoch Qualität vor Quantität. „Wir wollen wachsen, und wir werden wachsen – aber niemals zulasten von CO2 und Profitabilität“, so Lohscheller. Die Einhaltung der Klimavorgaben stehe bei der PSA-Tochter mittlerweile an erster Stelle. „Das ist wichtiger als alles andere, auch wichtiger als der Absatz“, sagte Lohscheller. Der Grund: CO2 sei längst zu so etwas wie der neuen Leitwährung der Autoindustrie geworden. Wer die Umweltvorgaben der EU verfehle und mit Strafzahlungen ausgleichen muss, setze sich zu Recht dem Vorwurf aus, sich den Klimaschutz zu erkaufen. „Das wäre ein Drama“, erklärt Lohscheller. Der Opel-Chef hat daher „sehr einschneidende Maßnahmen getroffen, damit genau das nicht passiert“.

Entlassungen sind beim Autobauer weiter denkbar. Zwar will der Konzern für Hunderte Beschäftigte am Stammsitz in Rüsselsheim eine Transfergesellschaft gründen und sein Programm zur Altersteilzeit ausweiten. „Aber wenn wir sehen sollten, dass wir keine ausreichenden Fortschritte machen, dann müssen wir noch einmal diskutieren und die Lage neu bewerten“, sagte Lohscheller: „Insofern können wir betriebsbedingte Kündigungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht kategorisch ausschließen.“

Der 51-Jährige betonte im Interview, wie wichtig es sei, den geplanten Abbau von 2100 der 15.000 Stellen in Deutschland konsequent umzusetzen. „Es hilft ja niemandem, das Unvermeidbare auf die lange Bank zu schieben“, erklärte Lohscheller. Die Autoindustrie befinde sich in der schwersten Krise seit hundert Jahren. „Die einzige Möglichkeit, um aus dem Tal schnell herauszukommen, ist, die Transformation erheblich zu beschleunigen.“

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